Nahe­zu jeden Tag habe ich das Gefühl, dass die Zeit schnel­ler ver­geht — was objek­tiv gese­hen natür­lich nicht der Fall ist — und sich um mich her­um Alles immer schnel­ler bei redu­zier­ter Dau­er eines bestimm­ten Zustan­des ver­än­dert. Ich neh­me zudem wahr, dass es eine Ein­deu­tig­keit und Sicher­heit nicht gibt. Viel­mehr erhöht sich zuneh­mend die Viel­falt an Infor­ma­tio­nen, die kom­plex und teils wider­sprüch­lich sind oder deren Wahr­heits­ge­halt ich nicht mehr ein­fach erken­nen kann. Mir ist bewusst, dass auch die Emo­tio­nen der Men­schen in mei­nem Umfeld Ein­fluss auf mich neh­men.

Immer dann, wenn Ereig­nis­se in mei­nem Umfeld gesche­hen, dann hat das eine Wir­kung auf mich — und umge­kehrt. Die­se Ver­än­de­run­gen erfor­dern von mir, mich lau­fend neu­en Auf­ga­ben und Situa­tio­nen zu stel­len. Und die neu­en Auf­ga­ben und Situa­tio­nen betref­fen nicht etwa nur die beruf­lich beding­ten, son­dern auch alle ande­ren. Dar­über hin­aus gibt es Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen den Umfel­dern der jewei­li­gen Ver­än­de­run­gen, also bei­spiels­wei­se zwi­schen beruf­li­chen und pri­va­ten (z.B. Orts­wech­sel, Über­nah­me von mehr Ver­ant­wor­tung) oder zwi­schen poli­ti­schen und öko­no­mi­schen (z.B. Ener­gie­wen­de, Coro­na-Virus).

Inso­fern ste­he ich sehr oft vor klei­nen und grö­ße­ren Her­aus­for­de­run­gen, mit denen ich ler­nen muss, posi­tiv und ange­mes­sen umzu­ge­hen. Dabei den­ke, füh­le und hand­le ich meist intui­tiv, basie­rend auf mei­nem Wis­sen und mei­nen Erfah­run­gen, und bin dabei in der Bewäl­ti­gung die­ser Her­aus­for­de­run­gen gefühlt mal mehr und mal min­der erfolg­reich.

Was kann ich jedoch tun, wenn es gilt, mit wich­ti­gen, für mei­nen wei­te­ren Lebens­weg ent­schei­den­den Her­aus­for­de­run­gen durch neue Auf­ga­ben und Situa­tio­nen fer­tig­zu­wer­den?

Für mich steht an ers­ter Stel­le die Beant­wor­tung der Fra­ge, wer ich tat­säch­lich bin und wofür ich per­sön­lich ste­he. Die­se Klä­rung mei­ner eige­nen Rol­le — vgl. Blog (Per­sön­lich­keit) vom 8. Sep­tem­ber 2019 — gibt mir Ant­wort dar­auf, wel­che Bedürf­nis­se, Träu­me und Wün­sche ich habe, wel­che Gren­zen ich set­ze, was mir gut­tut und wofür ich mei­ne Ener­gie ein­set­zen möch­te.

Des Wei­te­ren sehe ich den Aspekt mei­ner per­sön­li­chen Lebens­pla­nung als wich­tig an: Was hält mein Leben in einem gesun­den Gleich­ge­wicht, wie neh­me ich die Balan­ce wahr? Mich einer neu­en Auf­ga­be oder Situa­ti­on zu stel­len, heißt auch, Stel­lung zu bezie­hen, was mei­ner tat­säch­lich gewünsch­ten Lebens­pla­nung ent­spricht: Wel­che Optio­nen erken­ne ich, was nimmt oder gibt mir Ener­gie? Wie schaf­fe ich es, mei­ne Posi­ti­on ange­mes­sen nach außen hin zu ver­tre­ten? Wel­che Wer­te sind mir im Leben so wich­tig, dass ich dafür ein­ste­he? Was berei­tet mir Freu­de? Wor­auf bin ich neu­gie­rig?

Dar­über hin­aus benö­ti­ge ich die für die Bewäl­ti­gung erfor­der­li­chen Res­sour­cen: Bin ich mir mei­ner Res­sour­cen über­haupt bewusst, und nut­ze ich sie bereits? Wel­che mei­ner Res­sour­cen kann ich im kon­kre­ten Fall ein­set­zen? Auf wel­che Wei­se kann ich sie abru­fen? Für wel­che The­men ist es mir wert, sie ein­zu­set­zen?
Auf Res­sour­cen wer­de ich in einem spä­te­ren Blog inten­si­ver ein­ge­hen.

Nicht zuletzt kann ich es selbst beein­flus­sen, wie ich mit der neu­en Auf­ga­be oder Situa­ti­on umge­hen möch­te: Sehe ich sie als Kri­se, als Hemm­nis oder als Her­aus­for­de­rung, als Chan­ce an? Ich wer­de zumin­dest dar­auf auf­merk­sam gemacht, mich zu bewe­gen. Ich wer­de aus mei­nem All­tag her­aus­ge­holt und auf­ge­for­dert, das aktu­el­le Hier und Jetzt ganz inten­siv und bewusst wahr­zu­neh­men. Das bedeu­tet auch, mei­ne Gefüh­le als wich­ti­ges und not­wen­di­ges Signal anzu­neh­men, also als rich­tig und “gut”. Denn durch sie erhal­te ich Infor­ma­tio­nen dar­über, ob mich die aktu­el­le Situa­ti­on zum Han­deln auf­for­dert und ob eine der vor mir lie­gen­den Optio­nen die rich­ti­ge für mich sein kann.

Ich habe gute Erfah­run­gen damit gemacht, mich zunächst mit den genann­ten The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen. Das hat mir gehol­fen, neue Auf­ga­ben oder Situa­tio­nen und ihre Wir­kun­gen auf mich erst ein­mal wahr­zu­neh­men und ihnen gegen­über dann eine posi­ti­ve Hal­tung ein­zu­neh­men. Mit die­ser posi­ti­ven Hal­tung kann ich mich den Her­aus­for­de­run­gen aus dem “Erwach­se­nen-Ich” her­aus offen und in ange­mes­se­ner Wei­se stel­len.

Suche ich nach Ver­än­de­rung aus mei­ner Eigen­in­itia­ti­ve her­aus, dann stel­len sich mir wei­te­re grund­le­gen­de Fra­gen, wie bei­spiels­wei­se: Wo ste­he ich heu­te, wo will ich mor­gen oder über­mor­gen sein? War­um will ich das? Möch­te ich von etwas weg oder zu etwas hin? Von einer Aufgabe/ Situa­ti­on weg zu wol­len, reicht nicht aus; erst ein posi­ti­ves, kla­res Ziel eröff­net mir neue Wege, gibt mir Ener­gie und berei­tet mir Freu­de.

Wenn ich mich nun kon­kret auf eine neue Auf­ga­be oder Situa­ti­on vor­be­rei­ten möch­te, dann kann es sinn­voll sein, mich zunächst mit inne­rer Hal­tung dar­auf vor­zu­be­rei­ten. Es kann mir Ruhe und Kraft geben, mir mög­lichst vie­le offe­ne Fra­gen zu stel­len, sie viel­leicht auf­zu­schrei­ben und mich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen. So durch­den­ke, durch­le­be und durch­füh­le ich bereits im Vor­feld mög­li­che Situa­tio­nen, kann im Geis­te alter­na­ti­ve Reak­tio­nen und Abläu­fe “aus­pro­bie­ren” und für mich geeig­ne­te wäh­len, die mir Sicher­heit und das Gefühl der “Rich­tig­keit” geben. Wich­tig aus mei­ner Sicht ist dabei, das Posi­ti­ve in den Vor­der­grund zu stel­len, ohne mög­li­che kri­ti­sche The­men außer Acht zu las­sen. Ich soll­te mir zudem bewusst “erlau­ben”, nicht unbe­dingt sofort den “rich­ti­gen” Weg fin­den bzw. “die rich­ti­ge” Ent­schei­dung tref­fen zu müs­sen, son­dern mich auf einen Weg zu bege­ben, der in ein­zel­nen Etap­pen — mit der Mög­lich­keit zu kor­ri­gie­ren — began­gen wer­den kann. Jeder ein­zel­ne Schritt führt mich wei­ter.

Zur sach­lich-inhalt­li­chen Vor­be­rei­tung kann ich mich fra­gen, um was es mit wel­cher Ziel­set­zung geht. Neben einer rei­nen Infor­ma­ti­ons­samm­lung kann ich die Dis­kus­si­on bzw. das Gespräch mit einer Ver­trau­ens­per­son suchen. Ein kon­struk­tiv-kri­ti­sches Hin­ter­fra­gen, was pas­sie­ren könn­te, wenn die ein­zel­nen Wege­va­ri­an­ten durch­lau­fen wer­den, kann mir nütz­lich sein. Dar­über hin­aus kann ich auf mei­ne Stär­ken und Poten­zia­le schau­en — hier mit dem Fokus dar­auf, wel­che von ihnen ich ziel­füh­rend und posi­tiv in der kon­kre­ten Auf­ga­be oder Situa­ti­on nut­zen kann. Manch­mal ent­de­cke ich bei mir Res­sour­cen, die eine lan­ge Zeit nicht mehr abge­ru­fen wor­den und jetzt sehr nütz­lich sind.

Wesent­lich ist aus mei­ner Sicht also, mei­ne inne­re Ruhe zu erlan­gen; die sach­lich-inhalt­li­che Vor­be­rei­tung und mei­ne inne­re Hal­tung tra­gen glei­cher­ma­ßen dazu bei. Wenn ich weiß, was ich wirk­lich will, dann führt das zu Klar­heit in mei­ner Aus­strah­lung, ich kann authen­tisch sein.

Und dann heißt es, den nächs­ten Schritt mit Freu­de zu gehen.

 

Ich freue mich über Ihr Feed­back, gern per­sön­lich,

herz­lichst

 

Ihr Chris­ti­an Nour­ney

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